
Foto: Jörg Steinmetz
Arne Jansen / Stephan Braun: Short Stories
25.09.2026 um 20 h
„Deutschlands eindringlichstes Saitenduo tritt wieder in seinen faszinierenden Dialogmodus. Es ist ein Geben, Nehmen und Gönnen, das den Faktor ‚Zeit‘ zum Statisten degradiert.“
– Jazzthing, April 2026
„Nur zu zweit, aber wie! Gerade in den stillen Momenten knistert und funkt es hier mit einer ungemein friedvoll leuchtenden Intensität.“
– Concerto (5 Sterne), April 2026
Das ist eine wirklich gute Geschichte. Zu diesem Schluss kamen die internationalen Medien angesichts des ersten gemeinsamen Albums von Arne Jansen und Stephan Braun. Auf „Going Home“ interpretierten Jansen, laut Süddeutscher Zeitung „einer der besten und vielseitigsten deutschen Gitarristen“, und Braun, sein kongenialer Partner an Cello und Kontrabass, Stücke der legendären Rockband Dire Straits auf überraschend andersartige Weise. „Zum Heulen schön“, befand das Magazin Kulturnews, während FAZEmag dem Duo „berauschende Bescheidenheit“ bescheinigte. Am treffendsten brachte es das US-Fachblatt Stereophile auf den Punkt: „What fun this album is!“
Für ihre neue Einspielung gaben die beiden vielbeschäftigten Musiker, die man in der Vergangenheit unter anderem an der Seite von Melody Gardot, Nils Landgren, Till Brönner, Nils Wülker, Anders Jormin oder dem Orchestra Baobab hören konnte, die Leitlinie aus: Wir erzählen unsere eigenen Geschichten. „Mit dem Dire-Straits-Programm sind wir oft aufgetreten“, erzählt Gitarrist Jansen, „dabei haben wir auch eigenes Material eingestreut, da wir ja normalerweise keine Cover machen, sondern selbst komponieren. Nach den Konzerten kamen immer wieder Leute zu uns, denen diese Stücke besonders gefallen haben.“
Davon ausgehend besteht „Short Stories“ nun bis auf zwei Ausnahmen aus Stücken, die eigens für die Aufnahme geschrieben wurden. Und auch die Rollenverteilung zwischen Jansen und Braun ist eine deutlich andere als auf dem Erstling. War der Gitarrist bei der Dire-Straits-Hommage so etwas wie ein Sänger auf sechs Saiten und für die Melodien zuständig, so ist es nun auch Braun, der auf Cello und Bass die Themen vorgibt oder virtuos soliert – etwa im ungemein berührenden „The Way of Truth“ oder im dynamischen „96 Minutes“.
Von der Lust an Kommunikation und dem Vertrauen darauf, auch die innersten Gefühle freimütig preisgeben zu können, sind die zehn Stücke auf „Short Stories“ entscheidend geprägt. Jede Komposition hat einen eigenen erzählerischen Ansatz. Mal haben die zwischen Jazz, Folk, Pop und Americana angesiedelten Storys einen dezidiert literarischen Background. So entfalten etwa „Dolphin Hotel“, „In a Hundred Years“ oder „For Ever and Ever“ ihre eigene Poesie auf der Basis von Romanen und Gedichten wie Haruki Murakamis „Wilde Schafsjagd“, Wolfgang Herrndorfs „Tschick“ oder A.A. Milnes „The End“. Andere Stücke verwandeln Reiseerinnerungen in intime instrumentale Zwiegespräche – so stammt die Inspiration für „Where Once the Water Flowed aus einer bewusstseinserweiternden Wanderung durch ein ausgetrocknetes Flussbett in der Provence, während „The Trees Remember“ auf dem Besuch eines verwunschen-verlassenen Dorfs in Istrien fußt.
Und dann wiederum haben diese Geschichten einen starken persönlichen Hintergrund. Wie beispielsweise der lässig schlendernde „Song for Issa“, mit dem sich Jansen und Braun vor dem großen Griot-Erzähler Issa Cissokho verbeugen, dem 2019 verstorbenen Saxofonisten des Orchestra Baobab. Oder „The Way of Truth“, das sich auf ein Schlüsselerlebnis in Jansens Studentenzeit bezieht. „Ich war Teil des ,Live Music Now'-Programms von Yehudi Menuhin, das Studierenden die Chance gibt, in sozialen Einrichtungen Konzerte zu geben“, erinnert sich der Gitarrist. „Einmal traten wir im Duo in einem Krankenhaus auf und da war direkt vor mir eine Patientin in meinem Alter, die im Sterben lag. Da habe ich komplett anders gespielt. Es ging plötzlich nur noch darum, so tief wie möglich in mir zu graben, um dieser Frau etwas Gutes mitzugeben. Ich habe da gemerkt: Deshalb mache ich Musik. Je älter ich werde, desto klarer wird mir: Mir geht es darum, etwas Wahrhaftiges zu erzählen.“

Foto: Jörg Steinmetz